Kaffeesatz und Schicksal
Die Beobachtung des Kaffeesatzes war eine von vielen Wahrsagepraktiken, die im Orient bereits seit mehreren Jahrhunderten betrieben wurden. Ende des 17. Jh.s kam sie auch in Italien an, genauer gesagt in Florenz. Die Menschen gingen mit einem Säckchen gerösteter Kaffeebohnen zu den Wahrsagerinnen, wo eine oder mehrere Tassen Kaffee zubereitet wurden, da es üblich war, auch der Seherin eine Tasse anzubieten.
Bis in die Fünfziger Jahre gab es im Süden Italiens noch ältere Frauen, die aus dem Kaffeesatz lasen.
Das Ganze läuft folgendermaßen ab. Man bereitet einen türkischen Kaffee zu, indem man den äußerst fein gemahlenen Kaffee in einem kleinen Topf kochen lässt. Der Klient trinkt den Kaffee aus und dreht die Tasse dann auf einen Teller um, wo er sie noch mehrere Male dreht. Die Kaffeereste in der Tasse und auf dem Teller bilden Figuren, die vom Wahrsager interpretiert werden.
Die Kaffeereste in der Tasse beziehen sich auf die Gegenwart, die Reste auf dem Teller auf die Zukunft.
Zur Auslegung der ersteren wird die Tasse mehrmals zwischen den Fingern hin- und hergedreht; der Teller hingegen darf nicht bewegt werden, da die Figuren in ihrer zum Wahrsager hin ausgerichteten Position gelesen werden.
Der Teller wird durch eine imaginäre horizontale Linie in zwei Hälften geteilt, die sogenannte „Linie der Richtigen“; die unterhalb dieser Linie befindlichen Figuren sind von geringer Bedeutung, während die darüber liegenden Figuren eine sehr gewichtige Rolle spielen. Die Bedeutung der wichtigsten Figuren.