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Kaffee in der Kunst des 20. Jh.s
Im 20. Jh. kommt dem Kaffee eine neue Bedeutung zu, was auch anhand seiner verschiedenen Darstellungen erkennbar ist...
Pierre Bonnard bettet ihn auf seinem Gemälde Die Tasse Kaffee aus dem Jahr 1914 (London, Tate Gallery) in eine alltägliche Situation ein: ein Mädchen sitzt mit einer Tasse Kaffee am Tisch, wobei sie ihren Arm auf der rot-weiß karierten Tischdecke abstützt. Die Hauptkomposition des Bildes wird durch den großen Ausschnitt des Tisches im Vordergrund bestimmt, auf dem die Cafetière und weiße Tassen stehen, während die Figuren auf den Bildhintergrund verbannt sind.

Ebenfalls aus dem Jahr 1914 stammt Petit dejeuner von Juan Gris, das mit einer Mischtechnik mit Bleistift, Öl und Collage auf Leinwand gemalt wurde (New York, Museum of Modern Art - Queens). Es stellt eine Weiterführung der kubistischen Thematiken dar, die seit Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jh.s von Pablo Picasso und Georges Braque entwickelt wurden. Auf dem kleinen Holztisch kann man daher – auf verschiedene Ebenen in einer Art Mehrfachansicht verteilt - zwei weiße Kaffeetassen und weitere Gegenstände erkennen, wie Kaffeelöffel, Zuckerdose, Gläser und die Morgenzeitung zum Frühstück.
Edward Hopper stellt das amerikanische Leben anhand der für dieses Land typischen Orte und Situationen dar. In seinen trostlosen Nachtansichten, die oft wie Einzelbilder aus Filmen wirken, ist der Kaffee häufig anzutreffen: in Automat (1927, Des Moines (Iowa), Des Moines Art Center) sitzt eine junge Frau in Gedanken versunken vor einer dampfenden Tasse Kaffee.
In dem ebenfalls von Edward Hopper stammendem Bild Die Nachtschwärmer aus dem Jahr 1942 (Chicago, The Art Museum) ertränken einige wenige, trübselige Gestalten in einem Lokal ihre Einsamkeit in einer Tasse des bekannten, amerikanischen Brühkaffees.
Antonio Donghi, ein Vertreter des "Realismo magico" (Magischer Realismus) war in der ersten Hälfte des 20. Jh.s sowohl in der römischen als auch internationalen Kunstszene sehr aktiv: in Cocottina aus dem Jahr 1927 (Rom, Privatsammlung) sitzt eine nach der Mode der Zeit gekleidete junge Frau an einem Kaffeetisch, auf dem die bekannte Espressotasse nicht fehlen darf, zusammen mit einem Glas Wasser, wie oft üblich. Die Figur blickt dem Betrachter direkt in die Augen und ist in ein ungewöhnliches Schweigen gehüllt, umgeben von einem leeren und unnatürlichen Raum.

Amici al caffè (Freunde im Café) (1930, Rom, Galleria Nazionale d'Arte Moderna): So lautet der Titel eines der bekanntesten Bilder aus dem Rom des 20. Jh.s, eine Momentaufnahme des römischen Kulturlebens der damaligen Zeit. Amerigo Bartoli porträtiert Intellektuelle und Künstler an den Tischen des Caffé Aragno. Erkennbar sind unter anderem Ardengo Soffici, Roberto Longhi, Giuseppe Ungaretti, Riccardo Francalancia, Mario Broglio und Carlo Socrate; Bartoli porträtiert auch sich selbst beim Zeichnen des Bildes. Dank einer raffinierten Technik und vieler kleiner Einzelheiten meint man, das Klirren der Tassen auf den Untertassen zu hören und den mit Zigarettenrauch vermischten Kaffeeduft zu riechen.

Ein weiteres berühmtes römisches Café, das Caffè Greco, wurde 1976 von Renato Guttuso in dem gleichnamigen Bild festgehalten (Köln, Museum Ludwig). In den in Rot- und Brauntönen gehaltenen Porträts einiger bekannter Persönlichkeiten, japanischer Touristen, viel beschäftigter Kellner und attraktiver Frauen, wird mit Reminiszenzen an DeChirico die etwas chaotische Atmosphäre des berühmten Cafés dargestellt.

Macinino da caffè (Kaffeemühle) von Giuseppe Celi, einem technisch äußerst versierten und sensiblen Künstler sieht man eine einfache Fläche, auf der einige Gegenstände abgebildet sind, zwischen denen offensichtlich keine Verbindung besteht: ein blühender Zweig, einige Blätter, der armlose Oberkörper einer Puppe, eine Espressotasse mit am Rande abgelegtem Löffel im Vordergrund und die Kaffeemaschine im Hintergrund, die dem Bild seinen Namen verleiht. Mit der geschickten Verwendung von Weiß und Schwarz in ihren unendlichen Abstufungen, dem Helldunkel und dem Kontrast zwischen Licht und Schatten definiert der Künstler kleinste Details und schafft eine beinahe fotografische Abbildung.

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